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Der Start der neue Kita

– Anne-Christin Martz /

Es ist soweit – seit fast zwei Monaten hat die Kita Schatzkiste geöffnet. Montag bis Freitag springen 27 Kinder durch den neu gestalteten Garten hinterm Gemeindehaus, rasen fröhlich mit ihren Dreirädern und Bobbycars den Hügel hinab. Eines davon ist mein 3-jähriger Sohn Jonathan – dessen Schuhe vom heftigen Bremsen (gegen die Hauswand fahren ist verboten!) schon Löcher bekommen haben. Nach einer ersten Phase allergrößter Begeisterung ist die Schatzkiste für ihn ein Stück Alltag geworden, dem er mal vorfreudig, mal etwas widerwillig begegnet. „Ich will nicht!“, schreit er dann, klammert sich an meine Beine und wird vom Kita-Team liebevoll getröstet.

Gemischte Gefühle zur neuen Kita – von „Wann geht es endlich los?“ bis hin zu „Ich will nicht!“ gab es auch in der Gemeinde. Ich erinnere mich an die Gemeindestunde, in der der Bau der Kita beschlossen wurde, an die vielen – zurecht gestellten – Fragen: Werden wir das schaffen? Wird uns die Kita einschränken? Übernehmen wir uns – personell und finanziell?Die Schatzkiste ist geöffnet – viele Unwägbarkeiten beseitigt, viele Fragen beantwortet. War der Kita-Bau die richtige Entscheidung? Die lachenden Gesichter in den liebevoll gestalteten Kita-Räumen beantworten die Frage auf ihre Weise.

Als junge Mutter freue ich mich natürlich besonders, dass wir uns für die Kita entschieden haben. Ich bin stolz auf unser Gemeindeteam, das – unterstützt von vielen Helfern – mit viel Herzblut, Schweiß, Enthusiasmus und in unzähligen Überstunden den Bau der Kita zum Erfolg gebracht hat. (Hiermit ein großer Dank allen Beteiligten!)
Es berührt mich, zu hören, wie Gott dieses Vorhaben begleitet hat. Vor allem, wenn die Mitglieder der Gemeindeleitung erzählen, wie sie vor Sackgassen standen und Gott immer wieder neue Wege eröffnete – mit der großzügigen Spende unseres Gemeindemitglieds Adele Knittel, mit vielen ehrenamtlichen Unterstützern, mit der engagierten Sylvia Hartmann, die sich begeistert bereit erklärte die Kita zu führen, als man die Suche nach einer Leiterin schon fast aufgegeben hatte.

Mit der Kita haben wir nicht nur viel Leben in unser Gemeindehaus gebracht, sondern tragen auch etwas bei zur Lebensqualität junger Familien in unserer Stadt. Denn Kita-Plätze werden, gerade im Zentrum, dringend benötigt. Seit Jahren hat es – trotz steigendem Bedarf – kein Träger gewagt, eine neue Kita zu eröffnen. Die Eröffnung unserer Kita ist bedeutend – für „unsere“ Kinder, für unsere Stadt und für unsere Gesellschaft. Denn 42 neue Kita-Plätze sind nicht nur eine ganz praktische Hilfe für Gera, sondern auch ein gesellschaftliches Signal: Wir Christen drehen uns nicht um uns selbst und unsere Frömmigkeit, sondern wir agieren weit über dem Tellerrand unserer Sonntagsgottesdienste. Wir sind offen für Andere, engagieren uns und fragen dabei nicht zuerst: „Was macht uns gerade Spaß?“, sondern „Wo werden wir gebraucht? Wie können wir etwas bewirken?“ Und wir geben nicht zuletzt auch gern etwas weiter – von unserem Glauben und unseren Werten. Das ist bedeutend.

Wie begeistert die neue Kita von unterschiedlichen Seiten aufgenommen wird, haben wir zum Kita-Eröffnungsgottesdienst am 26.08. gemerkt. Unser Saal war so voll wie lange nicht: Gäste aus Bundes- und Kommunalpolitik, Mitarbeiter der Stadt, Vertreter des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und der Wertestarter-Stiftung – und nicht zuletzt viele aufgeregte Kinder und deren Eltern. Was für ein feierlicher Start – zwei Stunden Gottesdienst voller Glückwünsche, Worte des Dankes und zarter Kinderstimmen, die singen „Einfach spitze, dass du da bist!“

Übrigens ist unsere Kita auch ein Ort der Integration, an dem wir geflüchteten Familien das Ankommen erleichtern können. Kinder aus Deutschland, Nigeria, Syrien, Eritrea und aus anderen Teilen der Welt spielen hier zusammen, Eltern kommen ins Gespräch. Die Kleinsten sind in den Flüchtlingsfamilien meist die ersten, die Deutsch lernen – und zwar spielend in der Kita. „Yusuf* spricht schon so gut Deutsch!“, sagt Kita-Betreuerin Sandra zum ersten Elternabend. „Und Jonathan arabisch!“, fügt ihr Kollege Jolyan lachend hinzu. Die Kinder lernen eben voneinander. Ein Ort in unserem Gemeindehaus, an dem kultureller Austausch ganz spielerisch gelingt, an dem Glaube und Nächstenliebe gelebt werden und jedes Kind ein willkommener „Schatz“ ist – egal woher es kommt…wie schön, dass wir diese (Schatz)Kiste geöffnet haben!

*Name geändert

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